. Jasch Zacharias

Beton  bietet enormes Potenzial zur Einsparung von CO2. (Foto: Pixabay)

Beton - Vom Klimakiller zum Öko-Baustoff

„Öko2-Beton“ der TU Graz spart 30 Prozent CO2 – Startup ulticon bietet Produktionstechnologie an

DBU/Berlin – Beton gilt als gefürchteter Klimakiller. Die Produktion des weltweit wichtigsten Baustoffes ist für gut fünf Prozent der Kohlendioxid (CO2)-Emissionen auf der Erde verantwortlich. Doch längst gibt es alternative Methoden und Technologien zur Herstellung, bei denen die Industrie bis zu 30 Prozent CO2 einsparen kann. Diese müssen sich jedoch noch auf dem Markt durchsetzen.

Seit Jahren bereits bemühen sich die Zement- und Betonindustrie, sowohl CO2-Emissionen zu senken, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig natürliche Ressourcen zu schonen. Mit Hilfe eines Konzepts vom Institut für Baustofftechnologie an der Technischen Universität (TU) Graz ist das durchaus möglich: Sie haben speziell für die Fertigbauteileindustrie in Öster-reich den so genannten „Öko2-Beton“ entwickelt. Dieser entspricht allen Anforderungen für die Produktion von Betonfertigteilen, ist jedoch erheblich umweltftreundlicher als der konventionelle Beton. Möglich macht das ein optimiertes Mischverhältnis von gezielt ausgewählten Feinststoffen und Bindemitteln im Beton.

In der TU Graz wurden 2,4 mal 3,0 Meter große Wandelemente aus Öko²-Beton aufgebaut, die zuvor mit im normalen Produktionskreislauf eines Herstellers mitproduziert wurden. Das Entwickler-Team um Joachim Juhart hat den Beton begleitend geprüft – das Ergebnis: Öko²-Beton für Fertigteile. Dieser lässt sich genauso gut verarbeiten wie Standardbeton. Auch die Frühfestigkeit und die Erhärtungszeit sind gleich. Dabei verursacht der umweltfreundliche Beton bis zu 30 Prozent weniger CO2-Emissionen in der Herstellung und hat einen um bis zu 15 Prozent geringeren Primärenergiebedarf als Standardbeton mit gleichen Eigenschaften. Auch optisch lassen sich die Platten aus Öko²-Beton nicht von Standardbetonwänden unterscheiden.

„Öko2-Beton“-Entwickler Joachim Juhart vom Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie (IMBT) der TU Graz unterscheidet im Gespräch mit „Der BauUnternehmer“ dabei genau zwischen dem von seinem Forscherteam entwickelten Konzept zur ressourcheneffizienten Zementherstellung bei dem statt Sand Gesteinsmehle eingesetzt werden und so genanntem Öko-Beton. „Der Öko-Beton besteht in der Regel aus recyceltem Beton und ist daher ein Baustoff, der deshalb umweltfreundlich ist, weil er die Neuproduktion vermeidet. Unser Konzept ist es, bereits bei der Produktion auf Sand zu verzichten und somit CO2-Emissionen einzusparen“, sagt Jurhart.

Auch wenn bereits eine Reihe österreichischer Fertigteileunternehmen Bauelemente aus „Öko2-Beton“ hergestellt haben und dabei laut Jurhart per se keine höheren Produktionskosten entstanden sind, scheuen viele Unternehmen noch das Risiko, den alternativen Baustoff herzustellen und einzusetzen. Grund: Sie wollen den höheren Lageraufwand verschiedener Zutaten sowie bürokratische Hindernisse für genehmigung und Verwendung des Baustoffs aus dem Weg gehen. Mit dem neuen Herstellungsverfahren für Beton des Münchner Startup-Unternehmens Multicon könnte sich das künftig bald auch in Europa ändern. Beim Multicon-Verfahren entsteht aus Fein- und Wüstensand sogenanntes „Feinsandmehl“. Das Mehl nutzt man im nächsten Schritt zusammen mit mineralischen Bindemitteln und Spezialadditiven zur Produktion druckfester Pellets in individuellen Größen von bis zu 16 Millimetern. Sie ersetzen bei der Betonherstellung mit der dualen Multicon-Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie den Kies. „Unsere Suspensionstechnologie ermöglicht die Produktion von qualitativ hochwertigem, kostengünstigerem und umweltschonenderem Beton“, so Chefentwickler Helmut Rosenlöcher von der Firma Multicon. Der mit den Pellets sowie durch die Mischtechnologie entstandene Beton ist bis zu 25 Prozent leichter als übliche Standardbetone. Zudem erhärtet er schneller und ist fester.

Von großem Vorteil ist die Technologie im Mittleren Osten und in Nordafrika. Denn dort lässt sich der im Überfluss herumliegende Wüstensand damit bestens zur Produktion von Beton aufbereiten. Bisher war dieser Sand zu fein und rund, und besaß zudem eine zu glatte Oberfläche, um in der Bauwirtschaft eingesetzt zu werden. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Anlagen zur Aufbereitung von Wüstensand mit Hilfe der Suspensionstechnologie groß ist. Multicon will erste Anlagen in Ägypten und Dubai bauen. Geschäftskontakte nach Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait seien geknüpft. Europäische Kunden sollen folgen, so das Startup. Jasch Zacharias

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Erschienen in Ausgabe: Seite 10| Oktober 2019

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