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Bau im Südwesten kommt nicht raus aus roten Zahlen

Bau im Südwesten kommt nicht raus aus roten Zahlen

Lieferengpässe und hohe Materialpreise vermiesen den Unternehmen in Baden-Württemberg das Geschäft

Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg kommt nicht raus aus ihrem Umsatzminus. Selbst nach acht Monaten in Folge schreibt die Branche im Südwesten noch immer rote Zahlen. So betrug der Gesamtumsatz zwischen Januar und August 2021 rund 8,7 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 0,7 Prozent.

„Für die Sommermonate hatten wir uns eigentlich eine stärkere Erholung erhofft. Doch die monatelangen Lieferengpässe und die gestiegenen Baumaterialpreise haben vor allem bei der öffentlichen Hand zu großer Investitionszurückhaltung geführt“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Thomas Möller, die aktuellen Zahlen. Möglicherweise hofften viele Auftraggeber auch auf sinkende Preise. „Danach sieht es im Moment aber nicht aus. Wer bauen oder modernisieren will, sollte es jetzt tun. Günstiger wird es in absehbarer Zeit wohl nicht für Bauherren.“ Laut Ifo Institut betrug der Preisanstieg bei Bauinvestitionen 2021 im Schnitt 5,3 Prozent.

Schwankende Nachfrageentwicklung in einzelnen Bausparten 

Äußerst schwankend zeigt sich die monatliche Nachfrageentwicklung in den einzelnen Bausparten. Während beispielsweise die Auftragseingänge im Monat August im Wirtschaftshochbau um 76,9 Prozent gestiegen sind, gab es hier im Juli noch ein Minus von 7,3 Prozent. Grund hierfür ist offenbar ein Großauftrag aus der Wirtschaft. Einen starken Nachholprozess gibt es auch im Straßenbau. Hier erhöhten sich die Auftragseingänge im August verglichen zum Vorjahresmonat um 77,2 Prozent. Thomas Möller sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Es ist jedes Jahr das Gleiche: Monatelang sitzen unsere Straßenbauer in der ersten Jahreshälfte auf dem Trockenen und wissen nicht, wie sie ihre Leute beschäftigen sollen. Dann kommt plötzlich im Sommer ein Auftragsschub, der möglichst schnell noch vor den Wintermonaten abgearbeitet werden soll. Das schafft Probleme. Unsere Betriebe brauchen eine ganzjährige Verstetigung der Aufträge und damit endlich mehr Planungssicherheit.“

Baden-Württembergs Bauwirtschaft wünscht sich von nächster Bundesregierung  pragmatische Baupolitik 

Mit Blick auf die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin appelliert die baden-württembergische Bauwirtschaft an die drei potenziellen Koalitionäre, sich für eine pragmatische, nach vorne gerichtete Baupolitik einzusetzen. Notwendig seien in den nächsten Jahren gezielte und nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur, in die digitalen Netze sowie in den Wohnungsbau, gegebenenfalls auch durch entsprechende Fördermaßnahmen. „Bezahlbarer Wohnraum, energetische Sanierung, umweltfreundliches Bauen und eine funktionierende Mobilität auf allen Verkehrsträgern sind Themen, die die Bürger umtreiben und bei denen sie Lösungen von der Politik erwarten. Wir als Bauwirtschaft stehen mit Manpower und Knowhow bereit, um unseren Anteil zum Gelingen der Energie- und Mobilitätswende beizutragen“, so Möller.

 

Zurzeit begehrt und teuer: Baustahl. (Foto: Flickr/Onnola)

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Erschienen in Ausgabe: online

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