. Jasch Zacharias

Derzeit gibt es deutschlandweit lediglich 21.000 Ladestationen für E-Autos, die meisten davon in Großstädten.  (Foto: Pixabay)

Bauwirtschaft: Milliardenaufträge für E-Infrastruktur

Masterplan der Bundesregierung treibt bis 2030 den Bau von einer Million Ladesäulen voran

DBU/Berlin – Wer sein E-Auto nicht laden kann, wird sich keins kaufen. Deshalb sollen in Deutschland bis 2030 mindestens eine Million öffentliche Ladepunkte aufgestellt werden. Das sind 50 Mal mehr als es heute gibt. Gleichzeitig soll sich auch die Zahl der E-Autos von derzeit etwa 220.000 auf bis zu zehn Millionen verfünfzigfachen. Die Bundesregierung will bereits in den nächsten drei Jahren 3,3 Milliarden Euro hierfür investieren. An den Kosten soll sich allerdings auch die Automobilwirtschaft beteiligen. So steht es in einem neuen Masterplan der Bundesregierung.

Konkretes Ziel des Masterplans Ladeinfrastruktur der Bundesregierung sind nach eigenen Angaben zehn Millionen E-Autos auf den Straßen bis zum Jahr 2030. Dafür wären so schnell wie möglich Bau und Installation von einer Million öffentlicher Ladepunkte notwendig, so die Expertise der Automobilindustrie. Es geht dabei um Milliardeninvestitionen des Staates und der Automobilwirtschaft. Die Bundesregierung stellt hierfür bis zum Jahr 2023 mindestens 3,3 Millarden Euro bereit.

Auf dem Land sucht man Ladestationen meist vergebens
Derzeit gibt es laut Angaben des Bundesverkehrsministeriums etwa 21.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland. Insbesondere in den ländlichen Regionen sucht man sie oft vergebens. Aber auch in den Städten ist man auf einen von der Bundesregierung als Ziel formulierten Massenmarkt von sieben bis zehn Millionen E-Autos bis 2030 aktuell nicht im entferntesten vorbereitet.

Bislang werden die meisten der bestehenden Ladestationen von der Energiewirtschaft zur Verfügung gestellt. Ihre Lobby, der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), fordert bereits seit langem neben dem Aufbau eines öffentlichen Ladenetzes von der Bundesregierung ebenso erleichterte Bedingungen für den Aufbau eines privaten Netzes. Denn 85 Prozent der Ladevorgänge würden zuhause oder am Arbeitsplatz ablaufen.

Aufbau eines privaten Ladenetzes ist wichtiger
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, hält den neuen Masterplan Ladeinfrastruktur dennoch für genau den richtigen Weg: „Der beschlossene Masterplan enthält wichtige Empfehlungen der Energiewirtschaft, damit Elektromobilität ein Erfolg wird. Diese sollten jetzt zügig umgesetzt werden. Es ist richtig, dass die Regierung die Automobilindustrie an dieser Stelle in die Pflicht nimmt, damit auch sie einen maßgeblichen Beitrag hierfür leistet.

Klar ist allerdings: Der Erfolg der Elektromobilität wird sich jedoch auch daran entscheiden, inwieweit die Möglichkeit besteht, das Fahrzeug zuhause oder am Arbeitsplatz zu laden“, sagt Andreae. Der Bundesrat habe hierfür bereits eine schlanke, pragmatische Anpassung des Miet- und Wohnungseigentumsrechts vorgeschlagen. Diesen Ball hätte die Bundesregierung unbedingt aufnehmen sollen, bemängelt die Lobbyistin.

Bauwirtschaft erwartet Änderung des Wohnungseigentumsrechts
Den Einbau eines privaten Ladenetzes mit Hundertausenden Neuanschlüssen in den Tiefgaragen und auf den Parkplätzen vor Wohn- und Geschäftshäusern ist für die Bau- und Wohnungswirtschaft längst zu einem wichtigen Thema geworden. Ungeduldig wartet man auf einen Beschluss des Bundestags zur Anpassung des Miet- und Wohnungseigentumsrecht, damit der Einbau privater Ladeinfrastruktur erleichtert wird. Den Bundesrat hat eine entsprechende Gesetzesvorlage bereits passiert.

Ein zentrales Problem beim Aufbau der Ladestationen war bislang die Unwirtschaftlichkeit solcher, die nur wenig angefahren werden. Laut Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung kann der Ausbau von öffentlich zugänglichen Ladesäulen jedoch nicht allein über die Förderung erzielt werden. „Wo eine bedarfsgerechte Versorgung marktgetrieben nicht erfolgt, werden auch ordnungsrechtliche Maßnahmen erwogen“, heißt es. Das bedeutet, dass die Automobilindustrie beim Ausbau der Ladeindfratsruktur noch nachlegen muss.

Kaufprämie für E-Autos hilft beim Ausbau der Infrastruktur
Auf dem so genannten „Autogipfel“ von Politik und Automobilindustrie im Berliner Bundeskanzleramt im November ist nun zunächst vereinbart worden, dass bereits in den Jahren 2020 und 2021 sowohl in der Stadt als auch auf dem Land 50.000 neue öffentliche Ladestationen für E-Autos entstehen sollen – die Automobilwirtschaft soll 15.000 an ihren Standorten beisteuern. Damit sich diese Milliardenivestitionen für die Autoindustrie rechnen, hat sich die Bundesregierung bereit erklärt, den Kauf von E-Autos stärker zu fördern.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat zugesagt, mindestens zwei Millarden Euro dafür bereitzustellen. Die Kaufprämie wird demnach bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro um 50 Prozent auf 4.000 bis 6.000 Euro erhöht. Für teurere Fahrzeuge bis zum Basis-Listenpreis von 65.000 Euro steigt die Prämie noch um 25 Prozent auf 5000 Euro. Mit der höheren Prämie bezweckt der Wirtschaftsminister weitere 500.000 bis 700.000 Elektrofahrzeuge zu fördern. Die Autoindustrie übernimmt dabei die Hälfte der Kosten.

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: Seite 5| Dezember 2019

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