von Redaktion
Baustoffindustrie senkt Prognose für das laufende Jahr
Langer Winter, Verunsicherung durch Kriege und ausbleibende Reformen bremsen die Branche aus
Nach Jahren der Rezession rechnet der Bundesverband "Baustoffe – Steine und Erden" (BBS) für das laufende Jahr mit einer stagnierenden Produktion. Damit korrigiert der Verband seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose von plus zwei Prozent wieder nach unten, wie BBS-Präsident Dr. Dominik von Achten auf der diesjährigen Jahrestagung erklärt.
Die Hauptgründe für die Stagnation der Baustoffproduktion liegen ihm zufolge auf der Hand: Dazu gehören ein relativ langer und harter Winter, die Verunsicherung der Märkte durch die volatile geopolitische Lage und ausbleibende Reformen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau. "2026 ist weiterhin nicht mit einer Erholung der Baustoffproduktion zu rechnen“, fasst von Achten die aktuelle Lage zusammen. Besonders frustrierend sei, dass der Bedarf weiterhin hoch bleibe: „Die marode Infrastruktur verfällt weiter", so der BBS-Präsident: "Wir haben den niedrigsten Stand an neuen Wohnungen seit zwölf Jahren und auch bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf.“
Umsetzung der geplanten Vorhaben dauere viel zu lange
Von politischer Seite sei der Handlungswille zwar erkennbar, die Umsetzung dauere jedoch insgesamt viel zu lange. So habe das mittlerweile beschlossene Gesetz zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben zu lange im Bundestag gelegen. Auch die Schaffung des inzwischen vorhandenen rechtlichen Rahmens für die Speicherung von CO₂ habe Jahre in Anspruch genommen. Große Sorge bereitet dem BBS-Präsidenten insbesondere die Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur: „Zu Beginn war der Deal klar - historische Verschuldung gegen mutige Reformen", sagte er: "Wenn jetzt allerdings nicht zügig reformiert wird, droht das Sondervermögen ohne spürbaren volkswirtschaftlichen Effekt zu versickern." Für von Achten wäre das das "Worst-Case-Szenario“.
Zumindest im Bereich der Energiepolitik habe die Bundesregierung geliefert. Die im Koalitionsvertrag enthaltenen Entlastungen seien zügig umgesetzt worden. „Man sieht: Handlungsfähigkeit ist möglich, wenn alle politischen Akteure mitziehen“, so von Achten.
Gesetz zur natürlichen Infrastruktur eine "rohstoffpolitische Katastrophe"
Absolutes Unverständnis äußert er hingegen mit Blick auf das geplante Gesetz zur natürlichen Infrastruktur. Der Entwurf sieht als Antwort auf die Planungsbeschleunigung im Infrastrukturbereich unter anderem vor, verschiedene Bereiche des Naturschutzes als überragendes öffentliches Interesse zu definieren und damit die Flächenkonkurrenzen weiter zu verschärfen. Für Steine-Erden-Unternehmen, die in den kommenden Jahren Folgegenehmigungen zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen anstreben, wäre das Gesetz in dieser Form eine rohstoffpolitische Katastrophe. Deutschlands Industrie, so von Achten, kann nur aus seinem wirtschaftspolitischen Tief herauskommen, wenn die politische Prioritätensetzung auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgerichtet werde.
Foto: Pixabay/JerzyGórecki
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