von Redaktion
Baustoffe aus dem Moor fließen in Wohnhaus nach "Gebäudetyp-e"
Rohrkolben, Schilf und Feuchtwiesengräser bilden Grundlage für Dämmstoffe und Innenausstattung
Der "Gebäudetyp-e" in Bayern ist anders als der "Gebäudetyp E" des Bundes schon gesetzlich verankert. 19 Projekte sind in dem flächengrößten Land der Bundesrepublik für dieses Programm zugelassen worden. Dazu gehört auch das Mooritz in Gauting (Oberbayern). Mit ihm entstehen 99 neue Wohnungen. Bis Sommer 2027 sollen sie bezugsfertig sein und vor allem jungen Leuten bezahlbare Mietgelegenheiten bieten.
Mit dem Namen Mooritz nimmt die Unternehmensgruppe BHB auf die Lage Gautings am Leutstettener Moos Bezug und unterstreicht den konzeptionellen Ansatz, einen Anstoß für die Verwendung von Moorbaustoffen zu geben. Mooritz wird dabei als "ganzheitliches Modell" verstanden, "das Ziele der regenerativen Kreislaufwirtschaft mit den Herausforderungen der Bauwirtschaft in Einklang bringen möchte", so der Immobilienentwickler in einer Stellungnahme von Anfang Februar.
Berufstätige für Pflege, Kinderbetreuung und Medizin willkommen
Ein Teil der Wohnungen ist im Sinne des Gautinger Modells gezielt für Menschen aus sogenannten Engpassberufen vorgesehen, etwa in der Pflege, Kinderbetreuung oder im medizinischen Bereich. Das Projekt setzt bewusst auf eine durchmischte Hausgemeinschaft und fördert mit vielfältigen Gemeinschaftsflächen im Innen- und Außenbereich den Austausch zwischen den Bewohnern.
Gautinger Lungenklinik unterstützt das Projekt
Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Fachkräfte ist in der Region hoch. Auch die Asklepios-Lungenklinik Gauting unterstützt das Projekt ausdrücklich. In einem Unterstützerschreiben betont die Klinik, dass trotz vorhandener eigener Mitarbeiterwohnungen weiterhin großer Bedarf an zusätzlichem Wohnraum besteht: „Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wird uns als Gesundheitsdienstleister, aber auch uns als Gesellschaft noch die nächsten Jahre vor enorme Herausforderungen stellen", sagt Lukas Förster, Geschäftsführer der Asklepios Lungenklinik Gauting. Ein wichtiges Puzzleteil, um diesen Beruf attraktiv zu gestalten, sind für ihn neu gedachte und bezahlbare Wohnraumlösungen wie das Mooritz.
Serielle Bauweise mit Massivholz wird umgesetzt
Im Vordergrund steht neben der seriellen Bauweise in Massivholz die experimentelle Verwendung von Paludi-Baustoffen. In Dämmung und Innenausstattung plant die BHB mit Rohrkolben - Gattungsname Typha -, Schilf und Feuchtwiesengräsern – Pflanzen, die auf wiedervernässten Mooren gedeihen und diese gleichzeitig renaturieren. Diese Baustoffe sind nicht nur CO₂-speichernd und regional verfügbar, sondern bieten auch Landwirten wirtschaftliche Anreize zur Wiedervernässung von Moorflächen. Hintergrund: Sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen werden von trockengelegten Mooren verursacht. Bundesweit gibt es etwa 18.000 Quadratkilometer Moorböden, wovon mehr als 90 Prozent entwässert sind.
Im Mooritz werden die Konzepte wissenschaftlich begleitet. Eine enge Kooperation besteht mit der Technischen Universität München, dem Lehrstuhl „Architecture and Design“ von Professor Niklas Fanelsa. Dort diente das Projekt im Wintersemester 2024/2025 als Entwurfsthema für Studierende („Paludi Prealps“).
Wiederverwertung von Material des alten Bestandsgebäudes geplant
Ergänzt wird die Verwendung nachwachsender Baustoffe durch die möglichst umfassende Wiederverwertung des alten Bestandes auf dem Grundstück. Beispielsweise werden Ziegelsteine aus dem Abriss für den Bau der Landschaftstreppe und Hochbeete verwendet, was Transportwege und CO₂-Emissionen spart.
Tatsächlich gibt es auf dem Gautinger Baugelände noch eine Bestandsgebäude. Im Januar hat dessen Rückbau begonnen. Mit Beginn des zweiten Quartals soll es komplett entfernt sein. Nach Einreichung des Bauantrags plant die BHB aktuell mit Baubeginn im Sommer 2026. Ziel ist es, die ersten Bewohner durch das innovative Bauverfahren in serieller Holzhybrid-Bauweise bereits im Sommer 2027 willkommen zu heißen.
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