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Fachkräftemangel: Bauingenieure finden und binden

Hochschultag 2017 der Bauindustrie NRW an der Bergischen Universität Wuppertal / 30. November, Campus Haspel

Wuppertal - Der zunehmende Fachkräftemangel stellt die Bauwirtschaft vor große Herausforderungen. Durch frische Ideen und innovative Konzepte bietet diese Entwicklung jedoch auch eine ganze Reihe von Chancen. Lösungsmöglichkeiten sollen auf dem Hochschultag 2017 der Bauindustrie NRW diskutiert werden. Unter dem Motto „Bauingenieure finden und binden“ geht es um neue Rekrutierungsmethoden, praxisorientierte Aus- und Weiterbildungsangebote und innovative Personalkonzepte. Seit dem Jahr 1992 veranstaltet das Institut der Bauwirtschaft für den Bauindustrieverband NRW e.V. den Hochschultag als Dialogforum für Bauunternehmen und Vertreter von Hochschulen. Gastgeber der Veranstaltung am 30. November 2017 ist der Lehrstuhl Baubetrieb und Bauwirtschaft der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Helmus.

Bereits in Ausbildung und Studium sollen neue Weichen für die Förderung zukünftiger Führungskräfte gestellt werden. Der Vortrag „Bauingenieure binden durch Karriereplanung“ von Prof. Dr. Stefanie Friedrichsen (FH Münster) und Prof. Dr. Peter Vogt (HS Ruhr West, Mühlheim) vermittelt einen Überblick über berufsbegleitende Masterprogramme, die praxisorientiert die für den Bauprozess relevanten Kompetenzen vermitteln. Hierbei stehen Führungspositionen wie die Bauleitung im Mittelpunkt, auf die im Zuge der Digitalisierung eine Vielzahl von neuen Aufgaben zu kommen. „Diese Job+Master-Programme können von Bauunternehmen hervorragend zur Rekrutierung von Nachwuchs genutzt werden oder aber auch um Mitarbeiter zu binden“, erläutert Prof. Dr. Manfred Helmus. Er stellt in diesem Zusammenhang nicht nur den Master of Business Engineering (MBE) für Baubetrieb an der Bergischen Universität Wuppertal vor, sondern weist auch auf bisher ungenutzte Potentiale beispielsweise von Studienabbrechern oder aber von gewerblichen, technischen und kaufmännischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hin, die weitergebildet werden könnten.

Damit die Bauleitung den Kopf für wichtige Kernaufgaben frei hat, könnte ihr eine Assistenz für Routineaufgaben an die Seite gestellt werden, so ein weiterer Ansatz des Lehr- und Forschungsgebiets. Das Konzept ist eines der Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit von Baustellenführungskräfte - EBBFü“, das sowohl vom Land Nordrhein-Westfalen als auch vom Europäischen Sozialfonds unterstützt wurde. „Bauleiter sind durch viel zu viel Arbeit chronisch überlastet und zwar meistenteils wegen Aufgaben, für die sie eigentlich überqualifiziert sind“. Wie bei Ärzten, Rechtsanwälten oder Steuerberatern könnte hier eine Assistenz für Entlastung sorgen,“ erklärt Helmus weiter.   

Für diese bisher ungenutzte Nische wurde im Frühjahr 2017 zum ersten Mal ein neues Weiterbildungsformat angeboten. Der Pilotlehrgang „Bauleitassistenz“, der vom Lehrstuhl für Baubetrieb und Bauwirtschaft gemeinsam mit dem Berufsförderungswerk NRW und den Baugewerblichen Verbänden unter Einbindung der IHK Essen entwickelt wurde, ist im Juli dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen worden. Weitere Termine werden bereits angeboten. In der zehnwöchigen Weiterbildung werden die Teilnehmer intensiv in den für den Baubetrieb relevanten Bereichen wie Qualitätsmanagement, Verfahrenstechnik, Vertragsrecht und Projektmanagement geschult und können zukünftig die oft überlasteten Baustellen-Führungskräften effektiv unterstützen. Im Rahmen des Hochschultages erhalten die ersten Absolventen des Pilotlehrgangs „Bauleitassistenz“ ihre Urkunden und berichten über ihre Erfahrungen mit diesem neuen Ausbildungsformat.

Die Attraktivität der Bauwirtschaft für Nachwuchskräfte hängt über die Ausbildung hinaus auch von zeitgemäßen Arbeitsbedingungen ab. Lange hat sich die Männerdomäne gegen weiche Faktoren wie eine „Work-Life-Balance“ und die Öffnung der Baustellen für Frauen gesperrt. Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen, stellt neue Konzepte für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie auch neue Rekrutierungskonzepte in den sozialen Medien vor. Auch moderne Formen der Projektorganisation können durch eine bessere Zusammensetzung der Teams, flexible Arbeitszeiten und ein konsequentes Wertemanagement Arbeitsplätze attraktiver gestalten. Mit seinem Schlusswort „Verbesserung der Prozessqualität: Die Zukunft zum Anfassen“ gibt Prof. Dr. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal abschließend einen Überblick über die vielfältigen Trends, die die Arbeitswelt der Bauwirtschaft zukünftig vielfältiger, offener und attraktiver gestalten.

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Erschienen in Ausgabe: Online-Redaktion

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