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„Baubetriebe sind keine Preistreiber“

Baugewerbeverband Schleswig-Holstein wehrt sich gegen Vorwurf der Kostentreiberei

Kiel – Gegen die Vorwürfe, die Bauwirtschaft würde die Kosten hochtreiben und nicht zur Wertschöpfung beitragen, wehrt sich der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein für seine Betriebe. Die gestiegenen Baukosten dürften nicht dazu führen, dass reflexartig die Baubetriebe als Preistreiber angeprangert würden. Steigende Umsatzentwicklungen seien begründet durch die erhöhte Nachfrage, aber nicht außerordentliche Gewinne.

„Es ist mindestens irritierend, wenn vom Wirtschaftsminister vielleicht missverständlich ausgedrückt wird, dass unsere Betriebe eine überhitzte Preispolitik betreiben“, sagte Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein (BGV SH). Nicht die Betriebe würden die Preise treiben, sondern allen voran die nicht beeinflussbaren Effekte der staatlichen Reglementierung würden eine bessere Wertschöpfung verhindern. „Ein hoher Anteil der Baukosten ist politisch indiziert und gibt Bauunternehmern wenig Möglichkeiten zur Wertschöpfung“, sagte Schareck.
Als Treiber hat der Verband hier schon seit langem die nachfolgenden Faktoren ausgemacht und fordert gegenzusteuern. „Die Wirtschaftlichkeit einiger Bestimmungen und Reglementierungen in der EnEV sollten überdacht werden, denn der Anstieg der Bauwerkskosten geht im zweistelligen Bereich auf dieses Konto“, so Schareck. Kostenfaktor beim Bauen sei, wie der Wirtschaftsminister wisse, ebenfalls die unnötig hohe Grundsteuer, die die Landesregierung beibehalten habe. Angebot und Nachfrage trieben die Preise beim Baumaterial hoch. Hinzu kämen die Tarifabschlüsse, die zu immer weiter steigenden Lohnkosten führten, gleichzeitig wichtig seien, damit unsere Arbeitnehmer an der üblichen Wirtschaftsleistung teilhaben.

„Je weniger die Betriebe die Möglichkeit haben, eine betriebswirtschaftliche Preisoptimierung zu betreiben, desto weniger bleibt am Ende übrig“, sagt Schareck. Für Schleswig-Holstein kann der Verband belegen, dass die gestiegenen Baupreise nicht zu mehr Umsatzrenditen in den Betrieben führen würden. „Baubetriebe stehen in einem starken Wettbewerb und können die dispositiven Kosten nicht immer an den Bauherrn weiterreichen, daher wird trotz hoher Umsatzzahlen das Ergebnis nach Steuern gedrückt“, so Schareck.
Aus den Betriebsvergleichen von perfakta.SH e. V. – Handwerk in Zahlen geht hervor, dass Baubetriebe unter 20 Mitarbeitern im Durchschnitt der Gewerke 2015 eine Umsatzrendite von 3,6 Prozent der Betriebsleistung erwirtschaftet hätten; diese lag 0,7 Prozent höher als im Zeitraum der letzten Untersuchung im Jahr 2012. „Diesen Anstieg kann man wohl kaum als Preistreiberei bezeichnen“, argumentiert Verbands-Hauptgeschäftsführer Schareck.

Die Baubranche wolle selbstverständlich und ebenfalls die Wertschöpfung erhöhen. Daher plädiere sie dafür, den Betrieben mehr Luft zu lassen, um Preise flexibler an den Markt bringen zu können. Denn am Ende gelte immer noch, dass der Auftraggeber die Leistung bestimme – und je mehr Geld dieser für Bauleistungen und nicht für staatliche Abgaben ausgeben müsse, desto mehr Wertschöpfung auf allen Ebenen findet statt.

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Erschienen in Ausgabe: März 2018 | Seite 8

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