. Jasch Zacharias

Die im Jahr 2015 von einem Schiff gerammte Friesenbrücke über die Ems bei Weener will die Bahn bis 2024 sanieren.  (Foto: Pixabay)

Bahn vernachlässigt Brücken seit Jahrzehnten

Gutachten belegt Planungsdefizite des Konzerns

DBU/Berlin – Mehr als 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland in Deutschland sind in einem miserablen Zustand Viele wurden jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren. Mindestens 1250 der Brücken sind abrissreif. Jede zweite ist mehr als 100 Jahre alt und muss dringend saniert werden. Den Investitionsbedarf hierfür beziffert die Deutsche Bahn auf mindestens 27 Milliarden Euro. Doch könnten die tatsächlichen Kosten noch viel größer sein.

In Deutschland wird seit Jahrzehnten zu wenig in den Erhalt von Eisenbahnbrücken investiert, berichtet der „Tagesspiegel“ aus Berlin. Dadurch habe sich der Sanierungsstau vervielfacht. Und mit jedem Tag an dem die überfälligen Arbeiten nicht in Angriff genommen werden, muss die Deutsche Bahn angesichts galoppierender Baupreise mit höheren Kosten für die Sanierung und den Neubau rechnen. Pikant auch laut Zeitungsbericht: Die Bahn musste gemeinsam mit dem Eisenbahnbundesamt (EBA) die Altersangaben der Brücken um durchschnittlich 16,4 Jahre korrigieren. Etwa 2.000 Brücken mehr als zunächst berechnet sind tatsächlich älter als 100 Jahre.

Die Empörung der Bauwirtschaft ist groß über den über Jahrzehnte hinweg aufgebauten Investitionsstau sowie das 2017 noch falsch berechnete Alter der Brücken. „Jetzt muss gehandelt werden, und zwar zügig,“ fordert Thomas Schmid, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes. Schlimm finde er auch, dass solch schlechte Nachrichten niemanden mehr überraschten. Sie reihten sich ein in Meldungen über marode Schleusen an Bundeswasserstraßen, Straßen und Brücken.

„Gerade die Bahn müsste aber in der Lage sein, ihre Infrastruktur funktionsfähig zu halten. Unkomplizierte Brückensanierungen können nämlich in vielen Fällen ohne Genehmigungsverfahren durchgeführt werden. Für weitere, bei denen keine Rechte Dritter berührt werden, genügt ein schnelles und unkompliziertes Plangenehmigungsverfahren“, so Schmid. weiter. Dies belege ein Gutachten, das renommierte Planungsrechtler im Auftrag des Bayerischen Bauindustrieverbandes erstellt habe.

Nach Angaben des Bundesrechnungshofs müssen mindestens 1000 Brücken in fünf Jahren erneuert werden, damit der Sanierungsstau nicht noch größer wird. Nicht zuletzt auch wegen der großen Dringlichkeit will das Bundesverkehrsministerium im Rahmen der dritten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV III) von 2020 an innerhalb der kommenden zehn Jahre etwa 52 Milliarden Euro für die Instandsetzung der Bahn.Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Ob dann etwa fünf Milliarden Euro im Jahr – also deutlich mehr als noch mit Hilfe von LuFV II – vom Bund an die deutsche Bahn fließen werden, entscheidet der Bundestag noch. Ob die Bauwirtschaft die dringenden Brückenprojekte jedoch auch schneller als bislang umsetzten kann, obliegt laut dem Bayerischen Bauindustrieverband dem Planungsgeschick der Deutsche Bahn.

. Jasch Zacharias

Erschienen in Ausgabe: Seite 1| Oktober 2019

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