von Redaktion

"Musterländle": Baukonjunktur stabilisiert sich nur zögerlich

Umsatz steigt insgesamt um nur 2,6 Prozent - Wohnungsbau mit 2,6 Prozent im Minus

Die Baukonjunktur im lange Zeit als "Musterländle" mit guten Wirtschaftsdaten in Deutschland mit an der Spitze stehenden Baden-Württemberg hat sich im vergangenen Jahr leicht stabilisiert, bleibt aber ohne Schwung. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes stiegen die Umsätze in der Baubranche von Januar bis November 2025 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 2,6 Prozent, teilte der Landesverband der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg mit.

Vor allem die Lage im Wohnungsbau ist mit einem Minus von 2,6 Prozent weiterhin äußerst unbefriedigend. Besser schnitten der Wirtschaftsbau und der Öffentliche Bau mit einem Plus von 3,7 bzw. 4,5 Prozent ab. „Der Wohnungsbau bleibt das Sorgenkind. Zwar sind die Baugenehmigungen zuletzt gestiegen, sie liegen aber nach wie vor deutlich unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2021“, erklärt Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Für 2026 rechnet die Branche mit einer moderaten Erholung und einem nominalen Umsatzplus von 4,1 Prozent. Hoffnungsvoll stimmt die positive Entwicklung der Auftragseingänge im Wirtschaftsbau, der von Großprojekten in der Schienen-und Energieinfrastruktur sowie im Kabelleitungstiefbau profitiert. Gleichzeitig dürfte der Wohnungsbau langsam die Talsohle verlassen. Im öffentlichen Bau sind hingegen zunächst nur wenige Impulse zu erwarten, da die Wirkung des Sondervermögens erst verzögert eintreten dürfte.

Baden-Württemberg: Wohnungsbau braucht mehr Förderung und steuerliche Anreize

Zur Ankurbelung des lahmenden Wohnungsbaus fordert die Bauwirtschaft entschlossene Maßnahmen: „Damit mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht, muss das Land die soziale Wohnraumförderung auf das Niveau der Bundesförderung anheben“, verlangt Böll. Im Doppelhaushalt 2025/2026 stehen jährlich insgesamt 760 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung, davon 456 Millionen Euro vom Bund und 304 Millionen vom Land. Hinzu kommen 2026 einmalig 300 Millionen Euro aus dem Sondervermögen.

Darüber hinaus sind steuerliche Anreize für mehr Wohnungsbau unabdingbar. Im Mietwohnungsbau sollte eine befristete Sonder-AfA von 50 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren eingeführt werden. Ergänzend ist eine lineare AfA von fünf Prozent bei selbstgenutztem Wohneigentum erforderlich. Überfällig ist außerdem eine Senkung der Grunderwerbsteuer. Beim Ersterwerb für Eigennutzung sollte diese Steuer ganz entfallen.

Positiv bewertet die Branche die Wiedereinführung der KfW-Neubauförderung für EH 55-Gebäude. Wichtig wäre eine Verstetigung dieser Fördermaßnahme, für die derzeit nur einmalig 800 Millionen Euro eingeplant sind. Der Verband begrüßt zudem die von der Bundesregierung veröffentlichten Eckpunkte zur Einführung des Gebäudetyps E. Hier ist eine praxistaugliche Umsetzung entscheidend.

Zudem ist aus Sicht der Baubranche ein umfassender Bürokratieabbau im Baubereich unerlässlich. „Unter anderem muss die 2025 beschlossene Reform der Landesbauordnung konsequent umgesetzt werden, damit die beabsichtigte Beschleunigung des Bauens erreicht wird“, betont Böll. Zusätzlich brauche es eine konsequente Digitalisierung und Straffung der Bauverwaltung.

Baden-Württenberg. Marode Straßen gefährden den Wirtschaftsstandort

Alarmierend ist der Zustand der Verkehrsinfrastruktur: Ein Drittel der Landesstraßen ist sanierungsbedürftig, fast jede zehnte Brücke an Bundes-und Landesstraßen schadhaft. „Der Verfall unserer Verkehrswege gefährdet den Wirtschaftsstandort massiv“, unterstreicht Vizepräsidentin Sabine Schmucker. Dringend erforderlich sei daher eine bedarfsgerechte Erhöhung der Straßenbaubudgets. Insbesondere im Bereich der Landesstraßen und Autobahnen reichten die Haushaltsmittel nicht aus. Zudem sei eine personelle Aufstockung und Digitalisierung der Straßenbauverwaltung notwendig.

Langfristig müsse die Straßenbaufinanzierung unabhängiger von Haushaltsdebatten werden – unter anderem durch eine stärkere Anwendung des Nutzerprinzips. Gleichzeitig sollte ein Finanzierungskreislauf Straße geschaffen werden. Dabei fließen die Einnahmen aus dem Straßenverkehr – etwa aus der Lkw-Maut – zweckgebunden wieder in Investitionen für die Straße zurück. „Nur so lassen sich dringend benötigte Investitionen verlässlich und dauerhaft sichern“, so Schmucker.

Bild: Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. (Foto: Bauwirtschaft baden-Württemberg)

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Erschienen in Ausgabe: online

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