Kommentar -

Am falschen Ende gespart

von DBU-Redakteur Heiko Metzger

In der Bauwirtschaft läuft es gerade recht gut – und es könnte noch besser laufen: Mehr Aufträge, mehr Beschäftigung und mehr Steuereinnahmen für den Staat. All das wäre tatsächlich möglich.
Arbeit gäbe es genug zu tun: Marode Brücken, geplatzte Fahrbahndecken, Ausbau der digitalen Infrastruktur, Sanierung des Kanalsystems.
Doch immer häufiger bleiben diese Arbeiten liegen, weil keine Aufträge erteilt werden oder die Planungen stocken. Es kommt auch vor, dass erteilte Aufträge nicht ausgeführt werden können, weil die nötigen Maßnahmen der Verkehrslenkung auf sich warten lassen.
Dahinter steckt ein gravierender Personalmangel in der öffentlichen Bauverwaltung.
Auf den Amtsschreibtischen häufen sich die nicht abgeschlossenen Projekte.
Immer wieder weisen regionale wie nationale Bauverbände darauf hin, dass in Deutschland viele Bauvorhaben, für die ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stehen, wegen Personalmangels in den Amtsstuben nicht ausgeführt werden können. So wird immer wieder bekannt, dass Bundesmittel für Infrastruktur- und Verkehrsprojekte von den Ländern nicht abgerufen wurden.
Die öffentliche Hand versagt an dieser Stelle sträflich – zum Schaden der Bürger, zum eigenen Schaden und zum Schaden der Bauwirtschaft.
Das darf so nicht weitergehen. Der Staat (im Besonderen die Kommunen und die Länder) muss handeln!
Aber eine Lösungen ist gar nicht so einfach.
Denn den Baubehörden mangelt es nämlich im Regelfall nicht an einfachen Angestellten – vielmehr sind es hoch qualifizierte Experten, die fehlen – wie zum Beispiel Bauingenieure. Aber auch die Privatwirtschaft sucht gerade händeringend Bauingenieure und andere gewerbliche Spitzenangestellte. Der Arbeitsmarkt ist leer geräumt. Vielerorts können die Behörden ausgeschriebene Stellen nicht besetzen. Eine Besserung ist Zeit nicht in Sicht.
Der Staat hat versagt.
Schließlich musste er (und muss er immer noch) Personalüberschüsse abbauen. Aber dabei ist er so blind vorgegangen, dass nun Bauvorhaben verzögert werden oder komplett auf der Strecke bleiben.
Dass der Staat auch selbst unter seinem Versäumnis leidet, weil ihm Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeitrag entgegen, ist kein Trost.

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