von Redaktion
Ahrtal: Brücken werden jetzt nicht mehr zu Hochwasser-Beschleunigern
Freigabe der 2021 durch die Fluten völlig zerstörten Bahnstrecke - Hochwasser einst durch Brücken begünstigt
Die große Flut im Ahrtal 2021 hat tiefe Wunden in der dortigen Region hinterlassen – auch in der Verkehrsinfrastruktur. Eine davon konnte am 12. Dezember endgültig geschlossen werden: Die Ahrtalbahn fährt seit diesem Tag wieder.
Bei der nicht planmäßigen Eröffnungsfahrt in der dritten Adventswoche setzten sich auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Bahn-Chefin Evelyn Palla und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) in den Zug. Er fährt in dem verkehrstechnisch schwierigen Gelände über sechs Bahnhöfe, ein Dutzend komplett neu errichtete Brücken und fünf sanierte Tunnel.
Als das Hochwasser kam und wieder ging, führten die Gleise ins Nichts. Die Brücken waren komplett zerstört und hatten – eine bittere Ironie der Katastrophe – selbst zum Hochwasser beigetragen: Deren Pfeiler waren so schmal aneinandergebaut, dass sich dort Treibgut sammeln konnte: Und das beschleunigte den Anstieg der Fluten.
Beim Wiederaufbau gehörte es daher zu den vorrangigsten Zielen des Generalunternehmers Leonhard Weiss, die neue Bahnstrecke hochwasserresilient zu gestalten, wie das Unternehmen zur Eröffnung der Strecke mitteilte.
2.000 laufende Meter Bohrpfähle
Das gelang unter anderem mit umfangreichen Erd- und Gründungsarbeiten, die das Fundament für die neuen Ingenieurbauwerke bilden: Mehr als 2.000 laufende Meter Bohrpfähle sichern die 32 Pfeiler und Widerlager der neuen Brücken tief im Boden. Stahlspundwände und ein spezielles Tragschichtbindergemisch sorgen für Stabilität und Schutz vor künftigem Hochwasser. Insbesondere sind die Brücken strömungsoptimiert – gemäß den Lehren, die aus der Flutkatastrophe gezogen worden sind. Zum Aufstauen von Wassermassen kann es nun nicht mehr kommen. Die Durchflussmenge ist nun deutlich größer.
Wichtig war nicht nur die technische Expertise des erfahrenen Bauunternehmens. Angesichts der Vielzahl an Brücken und Tunneln wollten Bahn, Bund und Land auch möglichst rasch mit dem Bau vorankommen. Dafür, dass die Wiedereröffnung in für Deutschland fast schon rasantem Tempo von viereinhalb Jahren gelang, sorgte unter anderem das Aushebeln von üblichen Regeln des Bau- und Planungsrechts. Überdies wurde, so es die Umstände, insbesondere die der Witterung, zuließen, rund um die Uhr gebaut – auch an Wochenenden und in jeder Nacht.
Strecke gehört nun zu den modernsten Deutschlands
Gebaut wurde nicht nur zugunsten einer größeren Hochwasserresilienz. Es ging auch darum, die Tragik der Komplettzerstörung umzukehren: Die Ahrtalbahn gehört nun zu den modernsten Strecken Deutschlands. Sie fährt grundsätzlich elektrisch, was neue Oberleitungen möglich machen. Dazu hat Leonhard Weiss rund 15.000 Kilometer Kabel verlegt und zudem die Tunnelböden entsprechend abgesenkt.
Außerdem hat die Deutsche Bahn für ein neues elektronisches Stellwerk gesorgt. Mit ihm ist eine verkürzte Fahrzeit als zuvor möglich. Hinzu kommt eine höhere Auslastung der Strecke: Jetzt ist ein 20-Minuten-Fahrtakt zwischen Ahrbrück und Ahrweiler möglich – wenn auch die planmäßige Aufnahme des Ahrtalbahn-Verkehrs am 14. Dezember zunächst einmal den 60-Minuten-Takt einhält.
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