von Redaktion
1.500 Fachbesucher kamen zu den Betontagen nach Ulm - Emidat GmbH erhält Innovationspreis
140 Aussteller präsentierten Neues und Bewährtes der Beton- und Fertigteilbranche - Nächste Betontage in Ulm Ende Februar 2027
Zu den diesjährigen Ulmer Betontagen sind rund 1.500 Fachleute zusammengekommen, um Neuheiten der Beton- und Fertigteilbranche kennenzulernen und sich darüber auszutauschen. "Die Traditionsveranstaltung unterstrich damit einmal mehr ihre zentrale Rolle als Wissensplattform und wichtiger Impulsgeber für die Industrie", zog der Veranstalter, die FBF Betondienst GmbH, ein positives Fazit.
Es sei dabei deutlich geworden, wie stark sich die Branche im Umbruch befindet. Unter dem Motto „Märkte für Menschen“ rückte die 70. Jubiläumsausgabe der Betontage nicht nur die technischen Entwicklungen in den Mittelpunkt. Auch den gesellschaftlichen Anforderungen an das Bauen will man auch stärker gerecht werden. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie die Betonfertigteilbauweise dazu beitragen kann, Bauwerke lebenswert, klimagerecht und zugleich wirtschaftlich zu gestalten.
Steeltec aus Emmenbrücke (Schweiz) entwickelt App zur Ermittlung rostender Stahlbewehrung
Mehr als 140 Aussteller aus der Zuliefer-, Maschinen- und Softwareindustrie präsentierten dort ihre Produkte und Dienstleistungen. Die beste Neuentwicklung wurde mit dem Innovationspreis der Zulieferindustrie Betonbauteile 2026 ausgezeichnet. Gewonnen hat die Emidat GmbH aus München mit ihrer digitalen Plattform für verifizierte Umwelt- und Produktdaten. Die Lösung unterstützt die Hersteller von Betonbauteilen dabei, Nachhaltigkeits- und Produktinformationen strukturiert zu erstellen, zu verwalten und bereitzustellen,
und das zu überschaubaren Kosten. Sie erleichtert damit den Umgang mit steigenden Anforderungen an Transparenz und CO₂-Bilanzierung im Bauwesen.
Eine besondere Würdigung ging an die Heidelberg Materials AG für die Entwicklung von "evoZero", einem Zement mit signifikant reduzierten CO₂-Emissionen. Die CO₂-Reduktion wird unter anderem durch den Einsatz von Carbon-Capture-and-Storage-Technologie erreicht. Eine weitere Anerkennung erhielt die Steeltec AG aus Emmenbrücke in der Schweiz für OCIMA – Online Corrosion Initiation Modelling App. Die Anwendung ermöglicht es, den Beginn von Korrosionsprozessen in Stahlbewehrungen rechnerisch frühzeitig und präventiv zu prognostizieren.
Das Fachprogramm lieferte erneut ein breites Spektrum an Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops. Experten aus Praxis, Forschung, Planung und der öffentlichen Hand zeigten, welchen Stellenwert die nachhaltige Transformation in der Branche mittlerweile hat. Nachhaltige Baustoffe, Ressourcenschonung, CO2-Reduktion und Kreislaufwirtschaft gehörten zu den zentralen Themen. Vorträge zu zementarmen Betonen, alternativen Bindemitteln, RC-Beton, Leichtbau, zum seriellen und modularen Bauen, zum 3-D-Betondruck sowie zur Wiederverwendung von Fertigteilen standen auf der Agenda. Zudem bot der Praxis-Workshop konkrete Einblicke in neue Technologien, etwa zum Einbau von Carbonbewehrung.
Offenen Diskussionen beim "BranchenTalk"
Eine Neuheit war der "BranchenTalk", der Raum für eine offene Diskussion über die aktuellen politischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen der Bauwirtschaft geschaffen hat. Die Experten, Dr. Matthias Frederichs vom Bundesverband Baustoffe Steine und Erden, Professor Michael Haist von der Universität Stuttgart und Dr. Ulrich Lotz als Branchenexperte und Veranstalter der Betontage, standen dabei Rede und Antwort.
Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Wirtschaft genug Innovationen hervorbringe. Doch das Fehlen verlässlicher politischer Rahmenbedingungen und eine ausufernde Bürokratie hemmen mitunter effizientere Prozesse im Bau . Nur mit dem Abbau dieser Hemmnisse lässt sich der Weg einer nachhaltige Transformation beschreiten, dringend benötigter Wohnraum schaffen und die notwendige Infrastruktur schneller realisieren.
Großer Bedarf an modularem Brückenbau
Die Rahmenbedingungen waren auch Gegenstand der spannenden Podiumsdiskussion rund um den Brückenbau in Deutschland. Sie machte deutlich, wie groß der Bedarf am modularen Brückenbau in Deutschland ist, nicht zuletzt aufgrund von Vorteilen wie der Bauzeitverkürzung und Staureduzierung. Lösungen dafür gibt es bereits. Ein Verantwortlicher des Bundesministeriums für Verkehr signalisierte große Offenheit und Bereitschaft zur Veränderung.
Künstliche Intelligenz wird zum entscheidenden Hebel für Ressourceneffizienz
Die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) finden überdies zunehmend ihren Weg in die Beton- und Baustoffbranche. Damit zählen diese Themen ebenfalls zum Programm der Ulmer Betontage. In mehreren Beiträgen diskutierten Experten über die Auswirkungen digitalisierter Prozesse auf Planung, Produktion und Kommunikation. KI hat das Potenzial, Planungs- und Produktionsabläufe grundlegend zu verändern und nachhaltige Materialien noch effizienter zu gestalten. Ob es um den präzisen Einsatz von Zusatzstoffen oder die Optimierung von Rezepturen geht – KI wird zum entscheidenden Hebel für die Ressourceneffizienz.
Als weiteres neues Format gab es den "Talkconcrete | Digital Hub". Diese Plattform widmet sich der digitalen Kommunikation und dem Marketing in der Beton- und Bauindustrie. Dabei trafen Kommunikationsverantwortliche aus Unternehmen, Content-Creator, Führungskräfte aus Architektur und Planung, Podcaster, die Baufachpresse, Social-Media-Manager und KI-Spezialisten aufeinander, um über neue Wege der digitalen Positionierung in der Bauwirtschaft und über Praxistipps für Online-Marketing & Social Media zu diskutieren.
Der Digital Hub traf den Nerv der Zeit. Die positive Resonanz machte deutlich, dass sich die Transformation der Branche längst nicht nur auf Baustoffe und Bauprozesse beschränkt. Digital vernetzte Kommunikation wird für Unternehmen der Beton- und Baubranche zunehmend zum strategischen Faktor. Wer seine Produkte und Innovationen sichtbar und verständlich machen will, muss lernen, seine Themen authentisch zu erzählen – ob in Print oder online.
Die Termine für die 71. Betontage im Ulmer "Congress Centrum" steht bereits fest. Sie werden 2027 etwas früher im Jahr stattfinden und zwar bereits vom 23. bis 25. Februar.
Foto (oben): FBF Betondienst GmbH
Foto: FBF Betondienst GmbH
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