Baupolitik - . Redaktion

Verschlechterte Bedingungen verhindern längerfristigen Anstieg beim Neubau

Erschwerter Zugang zu Bauland ist größte Investitionshürde

Berlin – „Trotz der derzeit guten Geschäftslage blickt die mittelständische Immobilienbranche skeptisch in die Zukunft“, sagte BFW-Vizepräsident Frank Vierkötter bei der Vorstellung des BFW-Neubauradars in Berlin. „Fast 60 Prozent unserer befragten Mitgliedsunternehmen geben in der BFW-Konjunkturumfrage an, dass sich die Rahmenbedingungen für Neubau-Investitionen im vergangenen Jahr weiter verschlechtert haben. Gründe dafür sind der Baulandmangel sowie die fehlende Aussicht auf bessere administrative Rahmenbedingungen und weniger Hindernisse im überregulierten Wohnungsbau. Wenn die Politik hier keine Gegenimpulse setzt, gehen wir deshalb davon aus, dass die Baufertigstellungszahlen nach einem kurzen Anstieg langfristig auf 250.000 Wohneinheiten oder noch darunter zurückgehen“, so Verbands-Vize Vierkötter.

Die BFW-Konjunkturumfrage hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Stimmungsbarometer für die Immobilienbranche entwickelt, da die mittelständischen BFW-Mitgliedsunternehmen für rund 50 Prozent des Wohnungs- und 30 Prozent des Gewerbeneubaus verantwortlich sind. Auf dieser Datengrundlage werden im BFW-Neubauradar die politischen Rahmenbedingungen mit dem Ziel, den jährlichen Neubaubedarf von 400.000 Wohneinheiten zu bauen, dargestellt.

Die größten Investitionshürden
Die größte Hürde für Investitio­nen in den notwendigen Neubau bildet das Bauland. 98 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass der Zugang zum Bauland erschwert ist. Auch die administrativen Hürden sind im vergangenen Jahr noch größer geworden: 60 Prozent sehen die Kommunen dabei als größte Bremse im geschäftlichen Umfeld, gefolgt von Bund und Ländern. Als größten Kostentreiber nennt hier jeder zweite die zeitaufwendige und bürokratische Kommunikation mit den Behörden in Verbindung mit sehr langfristigen Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Größter bauordnungsrechtlicher Kostentreiber sind laut 47 Prozent die energetischen Vorgaben. Rund ein Drittel der Unternehmen gibt an, Gebäude bereits im KFW 55-Standard zu erstellen. Ebenso viele Unternehmen nehmen Fördermittel in Anspruch. „Diese Deckungsgleichheit zeigt, dass der derzeitige Standard gerade noch wirtschaftlich darstellbar ist und nicht weiter verschärft werden darf“, so Vierkötter. „Im Energieeinsparrecht sind die Unternehmen ohne Förderung am Ende ihrer Möglichkeiten.“

Günstiges Zinsumfeld
„Die Finanzierung ist der einzige Aspekt unter den Rahmenbedingungen, der Investitionen in den erforderlichen Neubau unterstützt“, fasst Vierkötter die Ergebnisse des Neubauradars zusammen. „Hier kommt den Unternehmen das derzeitige niedrige Zinsumfeld zugute. Auf der Basis der Umfrageergebnisse schätzen wir, dass die Baufertigstellungszahlen kurzfristig auf rund 300.000 Wohnungseinheiten ansteigen werden. Durch die ausgewiesene Verschlechterung von zentralen Rahmenbedingungen für Investitionen wird sich dieser Anstieg jedoch nicht verstetigen können.“

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Erschienen in Ausgabe: Juni 2017 | Seite 1

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