Pflasterbau - . Redaktion

Durch die Sanierung erhält der Platz ein neues Gesicht, auch das Segmentbogenpflaster leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.   (Foto: Betonwerk Pfenning GmbH)
Durch die Sanierung erhält der Platz ein neues Gesicht, auch das Segmentbogenpflaster leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. (Foto: Betonwerk Pfenning GmbH)

Pflaster hat den Bogen raus

Platzgestaltung mit Segmentbogenpflaster aus Beton in Mannheim

Lampertheim – Werden in his­torischen Stadtvierteln Flächen saniert, so greifen Planer bisher fast nur auf Lösungen aus Naturstein zurück, denn diese bieten oft eine perfekte Ergänzung zu den alten Gebäuden. Oft haben sich die Beläge auch über Jahre bewährt. Immer häufiger trifft man jedoch in historischen Stadtvierteln auf Bereiche, an die neben der Optik auch höhere funktionale Anforderungen gestellt werden, da Flächen zum Beispiel durch Lieferverkehr höheren Verkehrsbelastungen ausgesetzt sind. Dort beobachten Stadtplaner immer wieder, dass der Naturstein an seine Grenzen stößt und es wegen mangelnder Belastungsfähigkeit zu Schäden in den Flächen kommt. Die Folge sind hohe Aufwendungen für Sanierungen. Im historischen Ortskern des Mannheimer Stadtteils Secken­heim hat man deshalb bei der Sanierung des Rathausplatzes auf eine Alternative zum Naturstein gesetzt – ohne den Denkmalschutz außer Acht zu lassen.

Bereits seit über zehn Jahren diskutieren die Seckenheimer Bürger über eine Umgestaltung des „Planken“ – wie der Rathausplatz im Volksmund genannt wird. Es besteht der Wunsch, den bisher fast ausschließlich von Bus- und Individualverkehr genutzten Platz für die Bürger als städtischen Freiraum aufzuwerten.

Der Platzbereich um das Rathaus gilt seit langem sowohl optisch als auch technisch als sanierungsbedürftig. Einerseits ist er mit seiner aus Porphyr gepflasterten Oberfläche über die Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen worden, andererseits wünscht man sich eine Neuordnung der ÖPNV-Anbindung. Daher entschied der Planungsausschuss, den gesamten Seckenheimer Planken von Grund auf zu sanieren.

Birgit Steinmaßl vom Fachbereich Tiefbau der Stadt Mannheim beschreibt das Vorhaben: „Ein sehr wichtiger Bestandteil des Plankens ist das denkmalgeschützte Rathaus. Der zentrale Platz davor lebt von seiner dreiseitig geschlossenen und überwiegend zwei- bis dreigeschossigen historischen Bebauung. Uns war es daher besonders wichtig, dass der Platz auch nach der Sanierung seinen historischen Charakter behält. Bedingung war es, dass ein Ort mit noch attraktiverer Aufenthaltsqualität entsteht als vorher, indem der Platzcharakter wieder hergestellt wird.“

Beleuchtungskonzept steigert Aufenthaltsqualität
Erreicht wurde dieses Ziel durch mehrere Maßnahmen. So wurde der Platz mit einem Schatten spendenden Baumquartier bestückt. Auf zwei Bänken zwischen den vier neuen Bäumen an der kleinen Rathausplatzfläche finden Bürger so nun Platz zum Verweilen. Ebenso kann künftig ein Weihnachtsbaum aufgestellt werden – dank speziel­lem Fundament und einem kleinen Senkelektrant für die Beleuchtung.
Abgerundet wird das Konzept durch eine besonders ansprechende Beleuchtung. Rund um das Rathaus wurden hierfür Bodeneinbauleuchten verbaut. Am Gebäude selbst kommen weitere Beleuchtungen zur Ausführung, um den kleinen Balkon, das Rathaustürmchen und die Fassade bei Dunkelheit erstrahlen zu lassen. Im Zentrum dieser Arbeit standen neben der Beleuchtung und der Erneuerung der Bushaltestellen auch die neu zu befestigenden Flächen rund um das Rathaus.

Gesucht: kleines Pflaster mit Altstadt-Charakter
Im Normalfall wäre hier nur ein Natursteinpflaster in Frage gekommen“, sagt Birgit Steinmaßl. Äußerlichkeiten waren aber nicht das einzige Kriterium, das es bei der Befestigung der zirka 2.500 Quadratmeter großen Flächen zu beachten galt.

Birgit Steinmaßl: „Auch die Stabilität des Belages spielte eine wichtige Rolle. Da der Platz auch als Wochenmarkt genutzt wird, fahren hier auch regelmäßig schwerere Fahrzeuge. Hierbei entstehen Scherkräfte, denen einzeln verlegte Steine ohne jegliche Verbundwirkung nicht lange standhalten würden. So wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann in der Fläche erste Schäden auftreten. Deshalb suchten die Verantwortlichen nach einem Pflaster, das sowohl alle optischen Kriterien erfüllt, als auch in der Lage ist, dauerhaft den Verkehrsbelastungen Stand zu halten. Fündig wurde man bei einem speziell für derartige Anwendungsfälle entwickelten Pflastersystem aus Beton. Das ArcoStrada-Segmentbogenpflaster aus der CombiStabil-Serie des Herstellers Beton Pfenning (Lampertheim) verbindet dabei die attraktive Optik eines in Segmentbögen verlegten Kleinpflasters mit den Vorteilen eines Vollverbundpflasters.

Gefunden: Einstein-Segmentbogenpflaster
Optisch scheint dieses System aus der Einstein-Produktfamilie – genauso wie ein herkömmliches Naturstein-Segmentbogenpflaster – aus vielen einzelnen unterschiedlichen Einzelsteinen zu bestehen. Was man nicht sieht: In Wirklichkeit setzt sich das Betonpflaster aus nur zehn unterschiedlichen Stein­elementen zusammen.
Die verblüffende Optik der Einzelsteine wird dadurch erzielt, indem zwei bis vier aneinander geformte Kleinsteine durch ausreichend tiefe Scheinfugen optisch voneinander getrennt werden. Winkelsteine bilden den Übergang zum angrenzenden Bogen.
Um die Verlegung der zehn Zentimeter dic­ken Steine so einfach wie möglich zu machen, sind alle Steine mit seitlichen Markierungen an den Radiusaußenseiten versehen. Der große Vorteil dieses Pflasters liegt jedoch in seinen Stabilitätseigenschaften. Dank der Einstein-D-Punkt-Fugentechnik findet hier eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen statt. Die zur regelmäßigen Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge bzw. der Fugenraum wird stets eingehalten – die Elastizität der Pflas­terdecke bleibt damit dauerhaft erhalten.

Optisch passende Steine zum historischen Stadtbild
Auch farblich steht der sanierte Rathausplatz dem alten Porphyrpflaster in nichts nach. Dank eines speziellen Produktionsverfahrens wirken die Steine mit ihren leicht gebrochenen Kanten und der unregelmäßigen Oberflächentextur nicht nur farblich, sondern auch oberflächlich wie echte Natursteine.
„Der Farbton Heppenheim bunt verleiht der Fläche einen warmen rot-braunen Teint und passt damit bestens zum traditionellen Baustil der angrenzenden Häuser“, so Steinmaßl. Ende 2016 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen.

. Redaktion

Erschienen in Ausgabe: September 2017 | Seite 30

Zurück