Wohnungsbau - . Heiko Metzger

Eine Million Wohnungen zu wenig gebaut

Forscher beobachten Entkopplung von Genehmigungen und Fertigstellungen

DBU/Berlin – Die Wohnungsbaulücke der Jahre von 2009 bis 2016 summiert sich auf eine Million Wohneinheiten. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in einer aktuellen Studie, die anlässlich des 9. Wohnungsbautages in Berlin vorgelegt wurde.
Einer der wesentlichen Treiber der Wohnungsnachfrage ist laut Prognos der Anstieg der Bevölkerung in Deutschland. Lebten 2011 noch 80,3 Millionen Menschen in Deutschland, stieg die Bevölkerungszahl bis Ende 2016 auf 82,8 Millionen – ein Plus von 2,5 Millionen Menschen. „Das entspricht der gemeinsamen Bevölkerungszahl von Hamburg und Frankfurt am Main“, sagte Prognos-Experte Tobias Koch. Der Bevölkerungsanstieg beruht einzig auf einer veränderten Wanderungsaktivität. Während in Deutschland nach wie vor mehr Menschen sterben als geboren werden, sind zwischen 2011 und 2016 insgesamt 3,5 Millionen Menschen mehr nach Deutschland ein- als ausgewandert.

Neue Wohnungen entstehen schleppend
Laut den Experten von Prognos hat am Wohnungsbaumarkt eine Entkopplung von Genehmigungen und Fertigstellungen stattgefunden. Seit dem Jahr 2009 liegt die Zahl der jährlichen Genehmigungen deutlich über der Zahl der Fertigstellungen. Im Jahr 2016 betrug die Differenz rund 100.000 Wohneinheiten.

Besonders stark ausgeprägt ist die Wohnungsbaulücke in den sieben deutschen Top-Städten: Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart. Auf diese Metropolen entfallen insgesamt, laut Prognos-Studie, 38 Prozent der bundesweiten Wohnungsbaulücke.
Aber auch Städte „aus der zweiten Reihe“ weisen zum Teil gravierende Wohnungsbaulücken auf. Prognos-Experte Koch nennt bei der Vorstellung der Studie unter anderem die prosperierende Universitätsstadt Trier, wo mittlerweile 5,9 Prozent der Wohnungsnachfrage nicht mehr durch den Wohnungsbestand gedeckt werden können.
Besonders stark von dem Problem ist auch Offenbach am Main betroffen. Die Nachbarstadt von Frankfurt a. M. wird von vielen als Ausweichstandort gewählt, da der Wohnungsmarkt der Bankenstadt zu den angespanntesten der Republik zählt. Laut Prognos-Studie übersteigt in Offenbach die Wohnungsnachfrage das -angebot mittlerweile um sieben Prozent.

. Heiko Metzger

Erschienen in Ausgabe: Juli 2017 | Seite 1

Zurück